Slay The Spire – Deckbuilder auf der Switch, muss das sein?

Ich bin mit diesem Artikel vielleicht ein bisschen spät dran, wollte aber dringend noch meinen Senf zu einem der großartigsten Spiele der letzten Jahre dazugeben: den digitalen Roguelite Deckbuilder Slay The Spire von MegaCrit aus dem Jahr 2019, veröffentlicht von Humble Bundle.

Mein Halbwissen zu analogen Deckbuildern erspare ich Euch an dieser Stelle, auch großartige Vergleiche werde ich nicht anstellen. Hier gibt’s nur meine begeisterte Meinung. Viel Spaß damit!

Slay The Spire ist, wie bereits erwähnt, ein digitaler Deckbuilder. Im Jahr 2017 ist das Spiel als Early Access-Version auf die Spielerschaft losgelassen worden. Nach den üblichen Anpassungen, Verbesserung und dem letzten Schliff wurde das Spiel dann Anfang 2019 offiziell veröffentlicht. Zunächst nur auf PC, im Laufe des Jahres folgten Umsetzungen für alle aktuellen Konsolen.

Auf der perfekten Plattform ist das Spiel für mich im Juni erschienen: der Nintendo Switch. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon auf diversen Onlineplattformen das Loblied auf das Spiel gehört. Da die Switch-Version aber schon zu Beginn angekündigt war, war mir klar: ich warte!

Am 06.06.2019 war es endlich soweit. Zwei Tage später hatte ich meine ersten Runden gespielt und war begeistert.
Per WhatsApp hab ich unserem Angelo schon damals begeistert geschrieben: „Zock gerade Slay The Spire auf der Switch, Mix aus Roguelite und Deckbuilder, megagut!“.


Slay The Spire war aber auch wirklich eine ganz eigene Mischung. Zu Beginn wählt man einen von drei Charakteren. Anschließend wir man von einem ( in einem verdammten Turm!) gestrandeten Wal begrüßt, der einen von vier Startboni gewährt. So ausgerüstet zieht man dann auf einer schlichten, sehr Brettspielartigen Karte immer weiter Richtung Endboss. Auf dem Weg dorthin gibt es zahlreiche Abzweigungen, ?-Räume, Läden, Lagerfeuer und last but not least: Viele, viele Kämpfe.

„Zock gerade Slay The Spire auf der Switch, Mix aus Roguelite und Deckbuilder, megagut!“

Die Kämpfe laufen zunächst recht simpel ab. Man zieht aus seinem Deck 5 zufällige Karten, die in die Bereiche Angriff, Fertigkeit oder Macht fallen. Jede Karte hat einen bestimmten Energiewert, der beim Ausspielen vom Energievorrat des Spielers abgezogen wird. Wie viele und vor Allem welche Karten gespielt werden können, hängt also von der strategischen Kombination der Karten ab. Kämpfe gegen mehrere der skurrilen Gegner auf einmal oder auch Gegner mit Spezialfertigkeiten machen das Ganze noch kniffliger.

Kleines Beispiel: gewinnt ein Gegner zum Beispiel durch jede meiner gespielten Fertigkeiten an Stärke, zwingt mich das zu einer sehr offensiven Runde, da mit wenigen Ausnahmen nur durch Fertigkeitskarten Schaden geblockt werden kann. Außerdem sollte ich den Kampf natürlich möglichst schnell beenden, um den zwangsweise erlittenen Schaden in Grenzen zu halten.


Der Schwierigkeitsgrad ist gerade am Anfang nicht zu unterschätzen. Da unterscheidet sich das Spiel nicht von anderen Roguelites. Besiegt zu werden ist keine Niederlage, sondern eine Stufe auf dem Weg nach oben. Für mich besteht der Reiz des Spiels aber auch aus anderen Aspekten.

Da legst di‘ nieder – fliegende Zahnzottel-Monster können tödlich sein.

Der Eiserne, die Stille und das Defekte sind die drei Charaktere, die dem Spieler direkt zu Beginn des Spiels zur Verfügung stehen. Sie alle verfügen über individuelle Decks die sehr unterschiedliche Spielstile ermöglichen. Zur Unterstützung dieses Stils verfügt auch jeder Charakter zu Beginn über ein Relikt, das ihm einen bestimmten Vorteil verschafft.

Wie man den Aufstieg des Turms angeht, unterscheidet sich durch die Charakterwahl wirklich erheblich. Von offensiv bis zu „blocken und Schaden nur durch passive Orbs anrichten“ ist alles dabei.
Durch freischaltbare Relikte, Flüche und natürlich neue Karten für das eigene Deck unterscheiden sich aber auch Runs mit demselben Charakter teilweise sehr. Ach ja, man kann übrigens auch am „Run des Tages“ teilnehmen oder im Spezialmodus einen individuellen Run mit eigenen Sonderregeln starten.

Meiner ist größer als Deiner! – Der Kartenstapel wächst immer weiter

Ich glaube, das ist auch schon das was ich an dem Spiel am meisten schätze: seinen astronomischen Wiederspielwert. Auch nach mittlerweile fast einem Jahr liebe ich es noch, mich durch die Map zu schnetzeln, großartige Relikte zu sammeln und das Mega-Deck aufzubauen und dann im letzten Moment doch noch so richtig gnadenlos auf die virtuellen Bretter geschickt zu werden, weil ich unachtsam war oder weil meine „Megataktik“ dann bei einem spezifischen Endgegner halt leider gar nicht mehr aufgeht.

Wenn es ganz hart kommt, scheitere ich auch schon mal vor dem ersten Bossgegner. Damit man sich dann so RICHTIG schlecht fühlt, bietet einem der eingangs erwähnte gestrandete Wahl beim nächsten Run keine tollen Goodies zum Start mehr an, sondern stattdessen zusätzliche Trefferpunkte oder Gegner mit nur einem TP für die nächsten drei Ebenen. Es wird einem quasi der Baby-Modus aufgezwungen.

Dazu kommt es aber ehrlich gesagt auch nur, wenn man gerade krass unaufmerksam war, zu offensiv gespielt hat oder andere dumme Fehler gemacht hat.
Neben der Spielmechanik begeistert mich das Spiel aber auch mit seinem sehr eigenwillig „gezeichneten“ Grafikstil, seinen bizarren Kreaturen, seinem schrägen Humor und damit dass es (kostenlos) von den Entwicklern upgedatet wird.

Im Dunkeln ist gut munkeln… – ?-Räume überraschen aber auch mal negativ

Der Humor kommt gerade bei den ?-Räumen und ihren Flavortexten häufig zum Tragen. Was mir spontan dazu in den Kopf kommt: Mir wurde in einem der ?-Räume angeboten, ein mysteriöses Buch zu lesen. Nachteil: Durch das Lesen hätte ich TP verloren, alternativ konnte ich ausruhen und dabei TP regenerieren. Da ich gerade etwas schwach auf der virtuellen Brust war, habe ich mich für Letzteres entschieden. „Antwort“ vom Spiel auf meine Entscheidung: „Lesen ist was für Trottel. Du schläfst stattdessen auf einem gemütlichen Stuhl ein. Zzz … zzz … .. Zz …. Du wachst auf und fühlst Dich erholt.“.

Gerne kündigt auch mal ein Dieb seine bevorstehende Flucht mit einem trockenen „Ich muss weg“ an.
Was an der Stelle gar nicht genug betont werde kann: Das Spiel ist so gut eingedeutscht, dass ich gar nicht den Drang habe die (frei wählbare) Sprache auf Englisch umzustellen. Kommt nicht soo häufig vor.
Und was ich auch noch kurz loswerden will: Zu den schon abwechslungsreichen 3 Charakteren ist vor Kurzem mit Die Seherin noch ein neuer dazugekommen, der sich wiederum komplett anders spielt. Und das absolut kostenlos.

„Lesen ist was für Trottel.“

Und jetzt zum Abschluss noch mal zusammengefasst: das Spiel ist im besten Sinne eigenwillig, ist „einfach zu erlernen, aber schwer zu meistern“, bietet Wiederspielwert für Jahre und wird noch dazu stetig von seinen Entwicklern upgedatet. Und witzig ist es.
Muss ein Deckbuilder auf der Switch wirklich sein? Grundsätzlich vielleicht nicht, aber Slay The Spire müsste schon sehr umgekrempelt oder mit einer wirklichen Unmenge an Karten daherkommen, um analog zu funktionieren.
Und wer bis hierhin gelesen hat, sollte das Spiel jetzt eigentlich sowieso kaufen.

Mehr zum Spiel auf http://www.megacrit.com

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